Nach langen Verhandlungen, Debaten und altertümlichen Faustkämpfen, haben Ich und ein Freund uns dazu durchgerungen ein Buch von Kurzgeschichten zu schreiben. Hierbei geht es um die einzig wahre Angelegenheit jeden Mannes … Welche, werdet ihr noch rausfinden …
Samstag. Ein scheinbar reiches rassengemischtes Ehepaar macht abwechselnd Spaziergänge vor dem Fenster meines Studentenwohnheimes. Ich HASSE es. Erstens: bestimmt so Eltern von irgendwelchen Erasmus-Vollspastis, die da so rumlaufen und sich sowas sagen wie: „Ahh, schau her, alles meins, demnächst darf mein Zögling auch dieses Areal verschmutzen und abnutzen !!! “ Diese Erasmus-Arschgeigen … Am schlimmsten sind die Spanier, oder „Spaniers“, wie Azar sagen würde. Das ist mein libanesischer Nachbar am Ende des Flurs. Den mag Ich … genialer Musiker … hatte letztens eine von den „Japaners“ flachgelegt und meinte: “ Alah, die schreite wie mit Spiss … eschwörre …“
Die Spanier scheissen buchstäblich auf alles. Die kommen hierher und denken, sie könnte hier machen wat se wollen. Dreckspack. Aber laute Partys machen die. Gestern auch. Diesesmal sind das eher frankofone Spiesser-Gattungen bei misch vorm Fenster. „Wär’Isch doch in Kölle jeblieben …“ sagte Ich zu mir seufzend, da klopft jemand auch schon an die Tür. Es ist Frank. Frank ist so mit Abstand die coolste Sau im Wohnkomplex. Kommt aus Rostock, fährt ‘ne Suzuki und ist auch noch sein’ Diplom als Wirtschaftsingeneur am schreiben. Voll geil ! Ich dagegen bin überhaupt mal gespannt, ob Ich meinen Bachelor zu Ende kriech. “ Na Alter ?!?“ schiesst der. „Ach ja, muss, ne …“ pflaume Ich zurück. “ Bock, mal schanell aufgestiegen und ab zum See ?!? ALTERRR !!!“ „Och nööö, bin misch gerade am zusammenbasteln, von gestern noch … lass ma’ lieber,“ Ich wandere Richtung Kühlschrank. “ Ooh meine Frässe, bistuuu ‘ne Traantüüt !!!“ „Nee Kruse,“ unterbreche Ich ihn, „bei aller Liebe, aber Isch bleib’ heut’ zu Huss !“ Er setzt den Motoradhelm auf und dreht sich zur Tür. „Naja, Ka’ma halt nix mache, ne, piss späder, Peder … ähh … Felix mein’ Ich “ “ Ja, is’ suppa lustisch Du Popokopp,“ schiess Ich zurück, „Du, vill Spass und Sonnecräm nit verjessen, ne !!!“ Tür ist geschlossen. Kühlschrank noch offen. Ein altes Kilkenny grinst mich edelstens an. „Och nöö, jets noch Alohol, nöö, dann doch lieber ‘nen Pfirsichsaft,“ sag’ Ich zu mir und mache das blöde Fenster zu, während unten mit einem recht lauten Motor eine 120er am Eingang vorbei donnert. „Samstag ist Kopfweh’-Tag,“ sag Ich zu mir und knall’ mich vor die Glotze.
Unten, im Garten vorm Haus, fängt auch schon die kantonesische Fraktion an, auf dem Schlachtfeld der gestrigen WM-Fiesta der Spanaken, den obligatorischen Drachen-sicheren Grill aufzubauen. Ja, Ich habe etwas gerochen und aus Neugierde das Fenster wieder aufgemacht. Da merke Ich ja auch schon, dass es gar nicht die Chinesen sind, denn der Eine neben dem Grill hält offensichtlich einen Riesenbottich mit recht reifem Kimchi eisern fest, während Til aus dem Zweiten daneben steht und sich mit der Grill-Gemeinschafts-Geili unterhält, so dass sie ihm auch noch zulächelt, und wie alle wissen, spricht der Til fliessend Süd-Koreanisch. Also doch kene Kanton-im-Karton sondern Seoul Brothers !!! Ob Ich kurz runterlaufen sollte und dem Til gehörig die Schleimer-Tour vermiesen sollte ? … Hm … nöö … Erstens, sieht die Kleine jetzt nicht sooo „geili“ aus, wie Ich anfangs dachte, und Zweitens, habe Ich noch zu viel Restsprit im Blut. Ja das war gestern nicht die schalalauste Aktion meines Lebens !!! Wo soll Ich bloss anfangen … Es war nachts, in Kreuzberz, Ich saß auf dem Bürgersteig und Ich schrieb mir aus Frust etwas auf …
„Felix Burscheidt’s UNGLAUBLICHE ABER ÜBERAUS SCHALÜSSIGE LISTE DER SACHEN, DIE MAN MIT ALKOHOL ODER ALKOHOLISIERT NIE TUN DARF (oder umgekehrt):
PLATZ 10: Man darf NIEMALS auf fast leerem Magen anfangen italienischen Billig-Rotwein mit finnischem Bier zu mischen, und dann zu behaupten, dass die Hardcore-Russische-Auslandsstudenten-Ginger Ale-Vodka-Mischung auch nach dem 5 Glas einen immernoch nicht umbringt !!!
PLATZ 9: Nach zwei Flasche Asti sollte man NIEMALS auf die Idee kommen, jede nur halb so schöne Frau mit dem Satz anzusprechen: „Hast Du vielleicht Lust mit zu mir nach Hause zu kommen, Ich könnte Dir dann was auf meinem Klavier vorspielen, ganz romantisch und so … ?“ während man vor ihr auf den Knien liegt und ihre Hände festhält … Und ihr Freund daneben steht !!!
PLATZ 8: Man sollte knülle niemals ein Gemeinschafts-Klo auf einer Studenten-WG-Party benutzen, ohne es vorher gründlich mit Klopapier oder Taschentüchern geputzt zuhaben. Vorallen wenn davor zwei engbekleidete Burschen rauskommen, wobei sich der Eine etwas aus der Nase und Mundwinkeln wegwischt und der Andere sich noch die Hose zumacht. Glaubt mir, der Anblick des Klos danach könnte bei vielen Menschen pures Entsetzen auslösen !!!
PLATZ 7: AUF KEINEN FALL nach einer Flasche Jägermeister anfangen Kasatchok zu dänsen, wenn der DJ „Moskau“ von Dschingis Khan auflegt und die Location „Ludwig Museum“ in Köln heisst !!! Könnte trotz des toleranten Aussteller-Publikums recht teuer werden … Man nannte ihn auch den „russischen Wirbelwind“ … Hahahaha
PLATZ 6: Darkrooms sollten von Heten grundsächlich gemieden werden, egal wie viel Aperol Spritz man getrunken hat !!!
PLATZ 5: NIE IM LEBEN sollte man nach einem gemeinsam geleerten Kasten Bjørnebryg einem Dänen erzählen, was die Tochter doch für ‘ne geile Sau im Bett wäre !!! Aldrig !!!
PLATZ 4: Niemals verkatert oder gar teils besoffen zur Arbeit gehen wenn Du über 30 bist, Ramazzotti pur bechert hast, seit c.a. seit 5 Jahren kein Sport mehr getrieben hast und Raucher bist. Glaub’ mir, der Gestank, die Grobmotorik und des Personalchefs vollgekotzte Nike Air Source One’s mit schwarzem Leder sind nur das kleinste Problem.
PLATZ 3: Die Muddi dinger Fündin is’ TABU !!! Ich wiederhole: Die Mutti deiner Freundin ist TABU !!! Egal wie dämlich Du bist, und aus Langeweile einfach mal so ‘ne Flasche 66er Absinth ohne Wasser und Zucker plattmachst, und Fräulein Mutter für die Wiedergeburt Mideas, und somit Traumfrau, hälst, während Du eigentlich versprochen hast, dich auf dem Dorffest zu benehmen und geduldig auf deine holde Maid zu warten, bis Sie ihre Schicht in der Spielhalle beendet hat. Im Nachhinein hinterlässt das Szenario keinen schönen Anblick. Deine Zunge an Muttis Ohrläppchen während deine Kleine plötzlich hinter euch steht … Yuppie !!!
PLATZ 2: (Ohh, es wird warm !!!) Wie man auf einem Rockfestival keinen Übernächtigungspartner bekommt: Bitte der Anweisung genaustens folgen !!! Folgendes Alkohol-Prozedere ist von Nöten: Küppers-Kölsch aus der Dose (zwei Mal), gefolgt von 3 Flasche Smirnoff Mule (halbgekühlt), danach 0,6 Liter Deutschen Riesling (am besten noch aus ‘nem Pils-Glas) und zu guter Letzt, ebenfalls 0,6 Liter Kölnisch U-Boot mit Franzakischem Cassisseé !!! Der gesamten Fluss innerhalb von 3 Stunden, nur 2 Cheeseburgern im Magen und GENAU in der genannten Reihenfolge ! Das Ganze spirituöse Table-du-Jour wird mit einem leichten Shot Fernet Branca Mentha abgeschlossen und schon kann das Gekotze-Deluxe-Program beginnen !!! Zum krönenden Abschluss geht man noch mit ein paar Bikern vor der Main Stage eine gepflegte Runde Besoffski-Moshen und man kann sich sicher sein: DANACH will Dich KEINER mehr !!! Wirklich KEINER !!!
Ungeschlagener PLATZ 1: Ach, was gibt es Schöneres als mit seiner Freundin … UND mit ihren Eltern auf die Winterkirmes zu gehen, vor lauter Nervosität stundenlang am Stand einen Becher nach dem anderen westerwäldischen Glühwein wegzuputzen und danach mit der gesamten Mischpoke auf den Vorschlag des Brautvaters hin aufs Riesenrad zusteigen. Ihr könnt mir galauben, es ist egal in welche Richtung ihr euren Kopf dreht, nach der vierten Umdrehung, trefft ihr immer unvermeindlich in die Gesichter eurer vermeindlichen Eltern in Spe !!!
PS: Wer das liest ist noch nicht besoffen !!! „
Ich war also in Kreuzberg mit Frank und Dottie, einer supersüssen englischen Erasmus-Studentin aus Brighton, auf dieser Studi-Party. Die Einladung kam von Chiara, einer musikalisch gegabten Sprachenstudentin die anscheinend nicht gänzlich abgeneigt war, mich übelst zu vernaschen. Sie war auffällig blond, etwas älter als der Durchschnitt von uns und wusste genau was Sie wollte. In einem vollen grossen Berliner Loft mit romantisch angehauchtem Kerzenlicht, begrüsste Sie uns freudig mit offenen Armen, wobei sie mich, meines Erachtens nach, etwas fester an sich drückte als die anderen. Sie wusste genau, dass Ich selber schon ein paar Tracks herausgebracht habe, und nicht unbedingt der schlechteste Beatbastler und DJ Deutschlands war. Später als Ich die Playlist am Lapitopi überflog, man kann ja nie vorsichtig genug sein, sah Ich sogar, dass Sie mein MySpace-Profil in ihrem Leserzeichen-Verzeichnis abgelegt hatte. Und während Frank und Dottie sich im völlig bräten Zustand immer näher kamen, wurde mir bewusst, dass Ich jetzt an der Reihe war !!!
Um mir ordentlich Mut an zu saufen, fing’ Ich mit dem Alkohol-Fehler-PLATZ 10 meiner Liste an. Auf der Suche nach dem Klo, geriet Ich, aus mir völlig unerklärlichen Gründen, in den Keller, wo Ich promt in eine Minimal-Techno-Live-Recording-Session der WG-Mitbewohner von Chiara reinplatzte, darauf bestand ‘ne Spur Bassgitarre dazu zu spielen, und darauf hin im hohen Bogen aus dem Haus geschmissen wurde. Chiara hat davon erst später erfahren … peinlich, peinlich … doch sie rief mich an nächsten Tag wieder an.